24.10.2026
ab 14:00 Uhr

Gedenk- Und Bildungsstätte Andreasstrasse, Erfurt

Wem gehört der öffentliche Raum?

Was Persepktiven von Betroffenen auf Rechte Gewalt für Miteinander und Teilhabe bedeuten

Sicherheit im öffentlichen Raum wird seit Jahren diskutiert und beschäftigt auch Menschen in unserer Stadt. Häufig werden Migrant*innen zu Unrecht als die Verursachenden dieser Entwicklung ausgemacht. Der diesjährige Gedenktag verschiebt den Fokus dieser Debatte – hin zu den Perspektiven und der Verunsicherung derer, die von menschenfeindlicher Gewalt im öffentlichen Raum betroffen sind.

Gedenktag 2026.

Gedenktag 2026.

  • Was bedeutet rechte gewalt?

    Rechte Gewalt heißt, dass Menschen angegriffen werden, weil andere sie für weniger wert halten.

    Bis heute stellen rechte Gewalt und rechte Einstellungen eine Gefahr für Menschen in unserer Gemeinschaft dar – auch in Erfurt.

  • Wozu brauchen wir den Gedenktag?

    Zuhören, Verstehen und gemeinsam Erinnern.

    Wir zeigen uns solidarisch mit allen, die betroffen sind, und machen deren Perspektiven sichtbar.

    Lasst uns zusammen wirksam werden für eine solidarischere und friedlichere Gesellschaft.

  • Wen bringt der Gedenktag zusammen?

    Betroffene von rechter Gewalt und ihre Angehörigen können miteinander ins Gespräch kommen und Erlebtes teilen.

    Wir richten uns ausdrücklich an von Rassismus betroffene Menschen, queere Menschen sowie Menschen mit Behinderung.

    Das gemeinsame Gedenken ist darüber hinaus ein Anlass, um all diejenigen zusammenzubringen, die sich für ein offenes und sicheres Erfurt für alle einsetzen wollen.

Programm:

Zuhören. verstehen.

Gemeinsam Erinnern.

Ausstellung

Freut euch auf die Finissage der Ausstellung Rechtes Land von Julius Schien. Seine Fotografien thematisieren wie sich rechte Gewalt in scheinbar banale Ort eingeschrieben hat und bis in die Gegenwart hindurch wirkt.

Podiums-diskussionen

Die diesjährige Podiumsdiskussion mit engagierten Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft widmet sich diesmal der Frage: Wem gehört der öffentliche Raum?

Gedenkreden

Es erwarten euch spannende Redebeiträge zu den drei Erfurter Todesopfern Rechter Gewalt. Die Organisator*innen ordnen die Taten für euch in den gesellschaftlichen Kontext und die Ereignisse der 1990er und 2000er Jahre in Erfurt und Thüringen ein.

Markt der Möglichkeiten

verschiedene Initiativen und Vereine aus Erfurt und Thüringen stellen sich vor. Behandelt werden Themen wie Queer- und Frauenfeindlichkeit, oder Erfahrungen mit rechter Gewalt von Menschen mit Behinderung.

Wir gedenken:

Heinz
Mädel

wurde 1990 homofeindlich beleidigt, attackiert und so schwer verletzt, dass er wenige Tage später verstarb. Die Attacke auf den 58 Jährigen ereignete sich am 25. Juni, während er in der Erfurter Johannesstraße spazieren ging.

Symbolisches Platzhalterbild eines Menschenprofils mit Kreis als Kopf und Oval als Schultern auf weißem Hintergrund.

Ireneusz Szyderski

wurde 1992 aus rassistischen Motiven von Neonazis brutal misshandelt und ausgeraubt. Der polnische Erntehelfer starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Ireneusz Szyderski war 24 Jahre alt, als er am 3. August vorm Discozelt in Erfurt-Stotternheim ins Visir der Sicherheitsleute geriet.

Schwarz-Weiß-Fotografie eines jungen Mannes mit lockigem Haar, der direkt in die Kamera schaut.

Hartmut Balzke

wurde 2003 bei einem Angriff von Neonazis so schwer verletzt, dass er zwei Tage später im Krankenhaus starb. Der 48 Jährige war auf dem Weg von einer Party ins AJZ, als er und sein Begleiter am 25. Januar in der Trifftstraße angegriffen wurden.

Schwarz-weißes Porträt einer Frau mit dunklem, lockigem Haarkranz und einem freundlichen Gesichtsausdruck.

Das jährliche Erinnern an die drei Erfurter Todesopfer Rechter Gewalt fest in der städtischen Erinnerungskultur zu verankern, ist eines der Kernanliegen des Blinde Flecken e.V.

Veranstaltende:

Der Gedenktag ist eine Errungenschaft von Initiativen und Selbstorganisationen, die seit Jahren für Anerkennung, Sichtbarkeit und Unterstützung kämpfen.

Blinde Flecken e.V.
Erfurt

bietet historisch-politische Bildungsarbeit zur Aufklärung und Aufarbeitung rechter Gewalt an. Wir erforschen menschenfeindliche Gewalt und ihre gesellschaftlichen Kontinuitäten seit den 1990er und 2000er Jahren. Die Stärkung marginalisierter Perspektiven steht bei uns im Vordergrund: Indem wir nicht über, sondern mit Betroffenen sprechen. Kernfelder unserer Vereinsarbeit sind die Darstellung unserer Forschungsergebnisse und das jährliche Gedenken an die drei Todesopfer rechter Gewalt in Erfurt: Heinz Mädel, Ireneusz Szyderski und Hartmut Balzke.

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Vielfalt Leben –
QueerWeg Verein für Thüringen e.V.

setzt sich für die Belange von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter*, nicht-binären und anderen queeren Menschen (LSBTIQ*) in Thüringen ein. Mit verschiedenen Projekten und Veranstaltungen tragen wir zu mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz für LSBTIQ* in Thüringen bei.

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ezra
Erfurt

unterstützt seit April 2011 Menschen, die angegriffen werden, weil Täter*innen sie einer von ihnen abgelehnten Personengruppe zuordnen. Finanziert wird die Opferberatungsstelle über das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und das Thüringer Landesprogramm für Demokratie, Toleranz und Weltoffenheit „DenkBunt“. Wir arbeiten in Trägerschaft des re:solut e.V. (Rundum engagiert: solidarische Unterstützung in Thüringen e.V.), einem selbstständigen Werk der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM).

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Rechte Gewalt ist keine Randerscheinung, sondern eine akute gesellschaftliche Herausforderung.

Die Lage ist ernst – 2024 verzeichnete ezra mit über 200 rechten, rassistischen und antisemitischen Angriffen in Thüringen einen Höchststand. Diese Entwicklung macht deutlich: Rechte Ideologien und Gewalt sind eine reale Bedrohung für Menschen in unserer Gemeinschaft.

Nach den Recherchen von ezra, der Thüringer Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt gibt es in Thüringen seit 1990 mindestens zwölf Todesopfer rechter Gewalt. Staatlich anerkannt ist bislang nur eine Person.

Eine staatliche Anerkennung würde bedeuten, gesellschaftliche Verantwortung für rechte Gewalttaten, Tötungen und Morde zu übernehmen.

  • Hier findet ihr die Forderungen von ezra in voller Länger auf deren Website.

  • Hier könnt ihr euch einen Radio F.R.E.I. Beitrag zum Gedenken an Hartmut Balzke anhören. Findet schon jetzt heraus, warum nicht nur Opferverbände das ganze Verfahren als Justizskandal bezeichnen.

  • Hier könnt ihr einen wissenschaftlichen Beitrag von Matthias Adorf und Franziska Schestak-Haase herunterladen. In der Schriftenreihe Wissen schafft Demokratie problematisieren sie anhand zweier exemplarischer Fälle, Ireneusz Szyderski († 1992) und Klaus-Peter Kühn († 2012), die Kontinuität rechter Gewalt und die sekundäre Viktimisierung durch Polizei und Justiz in Thüringen.

Hier geht’s direkt zu den Podiumsdiskussionen auf unserer Hauptbühne, mit engagierten Vertreter*innen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft.

Kommt

vorbei!

Der Gedenktag für die Opfer rechter Gewalt findet dieses Jahr in der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt statt